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Am 27.03.1997 wurde der Boßelverein KBV "Eenigkeit"
Esens-Moorweg e.V. |
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Von einem, der sich bei seinem ersten Spiel
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wo die Boßelkugel auf die Nachkommen vererbt wird; |
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wo sich die Essenszeit der Familie nach dem Wettkampf richtet; |
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wo die Kindtaufe wegen eines Boßelwettkampfes verschoben wird; |
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wo man Meisterwerfer ein Denkmal setzt; |
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wo der Straßenbau "boßelfreudig" ist; |
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wo die plattdeutsche Sprache beim Sport gepflegt wird; |
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wo man die Kugel "über den kleinen Finger" oder "über den großen Daumen" gleiten lässt, um das Straßenprofil zu überlisten; |
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wo Autofahrer auf Sportler besondere Rücksicht nehmen. |
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Auszug "Sport in Niedersachsen 12/90"
(Quelle: Boßeln und Klootschießen - die
Heimatspiele der Friesen - [mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors])

Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich zusätzlich zu dem Klootschießen (das auf der freien baum- und strauchlosen Marsch beheimatet war) das "Boßeln" im friesischem Binnenland entwickelt, und zwar zeitgleich mit dem Ausbau von befestigten Straßen. Sportgeschichtliche Untersuchungen sowie schriftliche und mündliche Überlieferungen geben uns eindeutige Hinweise, dass sich unser heutiges Boßeln aus dem Kegeln entwickelt hat.
Von der Geest wir aus alten Urkunden häufig über das "Kegeln und Bosseln" berichtet, das gern an Sonntagvormittagen und zur Kirchzeit von jungen Leuten betrieben wurde, wogegen die Behörden sich wiederholt wenden mussten. Kegelbahnen befanden sich früher im Freien und zumindest in der Nähe von Wirtshäusern. Dabei blieb das mit dem Spiel verbundene Wetten und Trinken nicht immer ohne Auswüchse, wurden Gegenstand von Behörden- und Gerichtsakten und uns damit schriftlich überliefert.
Bei den zunehmend gut befestigten Wegen war die Versuchung groß, die Kegelkugel nicht nur gut gesetzt auf der freien Kegelbahn zu schieben, sondern zu einem Weitwurf die angrenzende Straße zu benutzen. Im mittelhochdeutschem Sprachgebrauch verstand man unter dem Begriff "Boßeln" das Schlagen mit der Kugel. Im Klartext - ein Boßler war ein Kegler.
In den ersten Anfängen des Boßelns galt es z.B. in der Fastnachtzeit oder nach dem Dreschen des Getreides, mit der rd. 14 Zentimeter dicken Hartholzkugel (einer wesentlich größeren Kugel als beim Klootschießen von rd. 6 cm) auf den Straßen zu werfen.
Das Boßeln hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem echten Breitensport entwickelt. Auf den ausgebauten Straßen gewann das Boßeln immer mehr Freunde, zumal es leichter zu handhaben ist als das Klootschießen. Nur durch die zwei Weltkriege unterbrochen, wird das Werfen mit der Pockholz- oder Gummikugel in fast allen Dörfern Oldenburgs und Ostfriesland in Vereinen betrieben. So mag es auch verständlich sein, dass im ehemaligen Regierungsbezirk Aurich das Friesenspiel Bestandteil des Schulsports war. Die erstmalige Einstellung eines Lehrers wurde in früheren Jahren hin und wieder davon abhängig gemacht, dass der Lehrer die Schüler im Boßeln und Klootschießen unterweisen konnte.
Nicht ohne Grund sagt ein plattdeutsches Sprichwort: "Toerst lehrt en Fresenjung dat Lopen, glieks dorna aber al dat Boßeln" (= "Zuerst lernt eine Friesenjunge das Laufen, gleich danach aber schon das Boßeln"). In den 13 Kreisverbänden des Friesischen Klootschießerverbandes vereinigen sich heute 260 Vereine mit 45000 Mitgliedern, die insbesondere das Boßelspiel aktiv in allen Altersgruppen von 6 bis 80 Jahren ausüben (darunter 12000 Frauen).
Seit 1962 haben sich die Klootschießer- und Boßelvereine dem Landessportbund Niedersachsen angeschlossen. Vereine bildeten sich nicht nur in Oldenburg/Ostfriesland, sondern u.a. auch in der Lüneburger Heide, Osnabrück, Nordrhein-Westphalen und im Nordharz. Die ersten Klootschießer- und Boßelvereine wurde - wie bereit erwähnt - um die Jahrhundertwende (1900) gegründet. Besonders interessant bei den Vereinen sind nicht nur Mitgliederzahlen und die überregional anerkannten Leistungen, sondern auch die oft recht eigenartigen Vereinsnamen. "Liek ut Hand", steht neben der Aufforderung "Hier up an" bzw. Free weg" oder der Feststellung "He löppt noch". Zu dieser Sammlung gehört auch der Aufruf "Hoog herut", "Driev up" oder Laat´n loopen". Trotz des ernsten Hintergrundes kann der Leser bei einem Nachruf eines Vereinsmitgliedes des Boßelvereins "Lat hum susen" ein Schmunzeln sicherlich kam verkneifen.
Beim Boßeln liegt das Ziel des Werfers darin, die Kugel (der Boßel) möglichst flach auf der Straße aufzusetzen und weit ausrollen zu lassen. Die Art und Größe der Kugel war und ist nicht immer gleich. Während die Männergruppen mit den größeren und schwereren Boßeln werfen, nehmen die Jugendlichen und Frauen kleineres, leichteres Wurfgerät. Die Männer werfen z.B. mit der 12 Zentimeter dicken und 1200 Gramm schweren Holzkugel oder mit der 10,5 Zentimeter dicken Gummikugel. Das Spiel lässt sich ganzjährig ausüben, soweit nicht in den Wintermonaten Schnee und Glatteis auf den Straßen ein Werfen verhindern. Ähnlich dem Spielbetrieb der Fußballvereine beginnen die Mannschaftswettkämpfe im September und enden im März/April. Anschließend beginnen die Einzelmeisterschaften, zu denen die Spitzensportler der Klootschießer und Boßler aufgerufen sind.
Beim heute praktizierten Mannschaftsstraßenboßeln als Rundenwerfen werden in der Regel 10 Runden geworfen. D.h. jeder Werfer einer Mannschaft, die aus 5 Werfern besteht, wirft im Laufe des Wettkampfes zehnmal. Die Wurfstrecke, die insgesamt nicht mehr als 10 Kilometer betragen sollte, wird in 5 Hin- und 5 Rückrunden unterteilt. Ein Wendepunkt markiert die Halbzeit des Spiels. Die Werfer einer Mannschaft werden nach einer vorher festgelegten Reihenfolge eingesetzt. Der Anwurf erfolgt durch den Werfer 1 der Mannschaft A. Die Kugel wird mit einem Unterhandwurf flach aufgesetzt. Es folgt Werfer 1 der Mannschaft B. Als nächster wirft nun Werfer 2 der zurückliegenden Mannschaft. Erreicht auch dieser nicht die Weite des Werfers 1 der Gegenpartei, hat diese bereits den ersten "Schöt" (Wurf oder Punkt) erzielt. Damit nun die Wurfreihenfolge bestehen bleibt, setzt hier Werfer 2 der führenden Mannschaft aus. Die zurückliegende Mannschaft legt einen neuen Wurf vor. Dieses Prinzip setzt sich nun über alle 10 Runden fort. Sieger ist die Mannschaft, die zu Spielende die meisten Schöts oder geworfenen Meter vorweisen kann.
Jede Mannschaft wird durch einen sog. "Bahnweiser" begleitet, der die Werfer zur Ziel- und Orientierungshilfe unterstützt. Dies kann notwendig sein, da die Wurfstrecke häufig nicht in voller Länge eingesehen werden kann.
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