Am 27.03.1997 wurde der Boßelverein KBV "Eenigkeit" Esens-Moorweg e.V.
im Rahmen einer Verschmelzung  
der beiden Vereine "An´t Holt lank Esens" und dem "Frisch voran Moorweg" gegründet!










 

 

 

  Klootschießen und Boßeln nach der Gründung des FKV

 

Zur gleichen Zeit, als in Deutschland die ersten Sportvereine gegründet wurden, schlossen sich nach und nach auch die Boßler und Klootschießer zu Vereinen zusammen, wodurch es mit den Wettkämpfen zwischen Gemeinden und Kirchspielen ein Ende hatte.

Mit der Gründung des Friesischen Klootschießerverbandes am 25. Mai 1902 (FKV) begann für das Friesenspiel eine neue Epoche. Einer der wesentlichen Satzungspunkte des Verbandes ist neben dem Friesensport der Heimatgedanke mit dem Ziel, die friesischen Sitten und Gebräuche und die plattdeutsche Muttersprache zu pflegen und zu erhalten.

Bedeutende Klootschießerwettkämpfe zwischen den Ostfriesen und Oldenburgern beziehungsweise zwischen den Werfern aus Ostfriesland und Butjadingen lockten bei grimmiger Winterkälte viele Honoratioren und bis zu 20 000 Käkler und Mäkler (Zuschauer) an. Da sich solch ein Feldkampf über den ganzen Tag hinzieht, versorgen auch heute noch fliegende Händler die frierenden Standhaften mit heißen Würstchen, Korn, Rum und Grog.

Obwohl das Klootschießen fast ausschließlich als Mannschaftsspiel ausgetragen wird - es stehen sich je sieben Werfer pro Mannschaft gegenüber - bleiben die Einzelergebnisse der Werfer nicht unbeachtet. Einem Olympiasieg gleich wurden die besten Werfer in ihrem Heimatort empfangen und geehrt. Am
18. März 1934 gelang dem Ostfriesen Gerd Harms Gerdes bei einem Klootschießerstandkampf eine Superwurf mit einer bis dahin unerreichten Weite von 101,50 Metern. Dieser Uralt-Weltrekord wurde erst am 15. September 1985 durch den Auricher Harm Henkel (101,95) und den Zeteler Hans-Georg Bohlken (105,20m) überboten.

Die Wurfarten, das Sportgerät und die Trainingsmethoden haben sich im Laufe der Jahrhunderte erheblich verändert. Während der Klootschießer früher in Wollsocken und dem "ostfriesischem Beinkleid" (lange Unterhose) auf der Anlaufmatte stand beziehungsweise von einem erhöhten Anwurfbock aus seinem Anlauf nahm, gehören heute ein Trainingsanzug und Nagelschuhe zu seiner Ausrüstung. Ihm stehen heute eine schmale, 25 Meter lange Anlaufmatte und ein 60 Zentimeter hohes verstellbares Sprungbrett mit dahinterliegendem Sprungkissen zur Verfügung.

Dieses Wettkampfspiel wird als Mannschaftssport im Winter in der Marsch auf dem schneefreien Feld ausgetragen (Feldkampf), wenn der Boden durch den kahlen Frost steinhart gefroren ist. Die dabei benutzte Kugel ist aus Weißbuche, dreifach kreuzweise mit Blei durchgossen, misst 58 Millimeter im Durchmesser und wiegt 475 Gramm. Nach einem kurzen schnellen Anlauf wird beim Werfen mit dem gestreckten Wurfarm blitzschnell ein ganzer Kreis geschwungen und die Kugel möglichst weit und genau vom Sprungbrett aus in Richtung der Bahnweiser geschleudert.

Sehr gute Klootschießer vermochten ihren Kloot in einer Entfernung von 70 Metern auf eine tellergroßen Fleck zu werfen. Trifft der Kloot möglichst flach auf die vom Bahnweiser ausgesuchte harte Stelle auf, können Wurflängen von 160 - 180 Metern erzielt werden, wobei man die Weite des "Flüchtens" (Wurf durch die Luft) und des "Trüllens" (Auslauf auf dem Boden) zusammen wertet. 

Im Sommer wird der sog. Standkampf auf dem Rasen durchgeführt. Es zählt dann nur die geflüchtete Weite des Wurfes. Bei diesem Standwettkampf im Sommer und im Herbst messen sich heute nicht nur Schüler, Jugendliche und Männer, sondern seit einigen Jahren mit zunehmenden Geschick auch Mädchen und Frauen. Die besondere Wurftechnik bei Klootschießen setzt intensive Übung und leichtathletische Leistung voraus, letztlich eine besondere Begabung, so dass die Zahl der überragenden Werfer und Akteure immer gering blieb. Dabei darf man nicht annehmen, dass ein guter Boßler zugleich ein guter Klootschießer sein muß. Nur etwa 10 % aller Friesensportler versteht mit dem Kloot umzugehen, und gerade deswegen hat das Klootschießen im oldenburg-ostfriesischen Raum einen besonders hohen Stellenwert. Dies gilt besonders bei den traditionellen Feldwettkämpfen zwischen den Oldenburgern und den Ostfriesen. Die Teilnahme als Aktiver oder Passiver an einem Klootschießerwettkampf  ist noch heute ein besonders beeindruckendes Erlebnis. Einer Theateraufführung gleich sind außer den 14 Werfern noch Bahnweiser, Trompetenbläser, Schildträger, Wettkampfleiter, Mannschaftsführer, Stockleger, Mattenrichter und -träger, Düsselmeister, Ordner und Schiedsrichter im Einsatz, um den Feldkampf auf und über die Bühne zu bringen.

(Quelle: Boßeln und Klootschießen - die Heimatspiele der Friesen - [mit gen. Autor])

 


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Stand: 09. Januar 2007